Fotoausstellung

Der geteilte Himmel

Prof. Roman Bezjak


4. März - 16. Mai 2007

Fotografie: Roman Bezjak, Mazar I Sharif, Afghanistan 1994

 


Es sind nicht Träume, die Roman Bezjak ins Bild setzt, sondern das Erwachen danach. Und die Hoffnung darauf, dass der Himmel nicht länger geteilt bleibt. Ein Stoff, also, über den sich faustdicke Romane schreiben ließen. Oder epische Theaterstücke mit unendlich viel Personal.

Wer fotografiert, sucht den exemplarischen Augenblick. Er spiegelt das Zeitgeschehen auf einem Gesicht, in einem Blick, in der Art, wie einer seine Hände faltet, seine Mütze trägt oder sein Gewehr. Was verraten Fahnen und Uniformen, Hinterhöfe und leergefegte Plätze über das Leben in einem Land, von dem sonst nur wenig an uns dringt? Was beweist ein Lächeln und wer ist gemeint, wenn eine Frau, vielleicht nur um einen verlegenen Scherz zu machen, im Arbeitskittel salutiert.

Von den Verhältnissen in Rumänien und Bulgarien, Polen und Slowenien, Armenien und Afghanistan, Kirgisien und Turkmenistan, wissen wir nicht viel mehr, als in den Zeitungen stand. Als die Sowjetunion zerfiel , haben viele Hände nach der politischen Macht gegriffen, für dauerhafte Unruhe gesorgt und Veränderungen ins Werk gesetzt, deren Folgen, deren Auswirkungen niemand abzusehen vermag.

Roman Bezjak war zwischen 1991 und 2001 in Bukarest und Baku, in Bischkek und Berg-Karabach, Eriwan und Etschmiadsin, Kabul und Kostroma, auch in Sofia, Tiraspol, Duschanbe, Buchara und  Kattowitz unterwegs und hat die Zeichen des Zerfalls, den Aufbruch der neuen Zeit, das Errichten von Macht und Ohnmacht fotografiert. Die Signale der Hoffnung wie die Spuren der Enttäuschung in der allmählichen Wiederkehr des landläufigen Alltags.

Es sind Stoffe für Romane, die diese Bilder so eindrucksvoll, so einleuchtend vor uns ausbreiten. Verschwiegene Bilder sind darunter und beredete; einprägsame Charakterköpfe und anmutige Landschaftsskizzen; Portraits und Reportagen; spontane Blicke auf Land und Leute und systematische Erkundungen der sozialen und gesellschaftlichen Wirklichkeit. Sie zeigen sich auf offener Straße, nimmt in verschiedenen Uniformen und wechselnden Kostümen Gestalt an, spiegeln sich in unscheinbaren Gesten so verlässlich wie in theatralischen Posen, auf Kasernenhöfen so vielsagend wie in Gefängniszellen, in der anonymen Menge so anschaulich wie in gesellschaftlichen Zirkeln. Denn in Roman Bezjaks Bildern ist die Wahrheit mit den Augen greifbar.

© Franz Josef Görtz, FAZ-Magazin

 

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