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Es sind nicht Träume, die Roman Bezjak ins Bild setzt, sondern das Erwachen
danach. Und die Hoffnung darauf, dass der Himmel nicht länger geteilt
bleibt. Ein Stoff, also, über den sich faustdicke Romane schreiben ließen.
Oder epische Theaterstücke mit unendlich viel Personal.
Wer fotografiert, sucht den exemplarischen Augenblick. Er spiegelt das
Zeitgeschehen auf einem Gesicht, in einem Blick, in der Art, wie einer seine
Hände faltet, seine Mütze trägt oder sein Gewehr. Was verraten Fahnen und
Uniformen, Hinterhöfe und leergefegte Plätze über das Leben in einem Land,
von dem sonst nur wenig an uns dringt? Was beweist ein Lächeln und wer ist
gemeint, wenn eine Frau, vielleicht nur um einen verlegenen Scherz zu
machen, im Arbeitskittel salutiert.
Von den Verhältnissen in Rumänien und Bulgarien, Polen und Slowenien,
Armenien und Afghanistan, Kirgisien und Turkmenistan, wissen wir nicht viel
mehr, als in den Zeitungen stand. Als die Sowjetunion zerfiel , haben viele
Hände nach der politischen Macht gegriffen, für dauerhafte Unruhe gesorgt
und Veränderungen ins Werk gesetzt, deren Folgen, deren Auswirkungen niemand
abzusehen vermag.
Roman Bezjak war zwischen 1991 und 2001 in Bukarest und Baku, in Bischkek
und Berg-Karabach, Eriwan und Etschmiadsin, Kabul und Kostroma, auch in
Sofia, Tiraspol, Duschanbe, Buchara und Kattowitz unterwegs und hat die
Zeichen des Zerfalls, den Aufbruch der neuen Zeit, das Errichten von Macht
und Ohnmacht fotografiert. Die Signale der Hoffnung wie die Spuren der
Enttäuschung in der allmählichen Wiederkehr des landläufigen Alltags.
Es sind Stoffe für Romane, die diese Bilder so eindrucksvoll, so
einleuchtend vor uns ausbreiten. Verschwiegene Bilder sind darunter und
beredete; einprägsame Charakterköpfe und anmutige Landschaftsskizzen;
Portraits und Reportagen; spontane Blicke auf Land und Leute und
systematische Erkundungen der sozialen und gesellschaftlichen Wirklichkeit.
Sie zeigen sich auf offener Straße, nimmt in verschiedenen Uniformen und
wechselnden Kostümen Gestalt an, spiegeln sich in unscheinbaren Gesten so
verlässlich wie in theatralischen Posen, auf Kasernenhöfen so vielsagend wie
in Gefängniszellen, in der anonymen Menge so anschaulich wie in
gesellschaftlichen Zirkeln. Denn in Roman Bezjaks Bildern ist die Wahrheit
mit den Augen greifbar.
© Franz Josef Görtz, FAZ-Magazin
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